Weltweit Armut zu lindern und die Kluft zwischen armer und reicher Welt zu verringern erfordert enorme Anstrengungen. Ziel ist, menschliche Entwicklung zu verwirklichen - das Konzept ist auch Leitbild dieses Webportals.
Der Kampf gegen die Armut gehört zu den wichtigsten Millenniums-Entwicklungszielen. Menschen, die in absoluter Armut leben, haben kaum Aussicht, dass ihre Menschenrechte und ihr Recht auf ein Leben in Würde gewahrt werden. Die übrigen Millenniumsziele sind nicht zu verwirklichen, wenn Menschen wegen ihrer extremen Armut um ihr Überleben fürchten müssen. Deshalb hat das Ziel der Halbierung der Armut einen so hohen Stellenwert in der Millenniums-Diskussion.
Vor allem dank des hohen Wirtschaftswachstums verschiedener Schwellenländer verminderte sich die Zahl der Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar leben mussten, zwischen 1990 und 2005 von 44% auf 27% der Bevölkerung.
Damit entstanden gute Aussichten, das Millenniums-Entwicklungsziel bis 2015 zu erreichen. Allerdings hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 an einen deutlichen Rückschlag verursacht. Dennoch wird das Millenniums-Entwicklungsziel global betrachtet voraussichtlich 2015 erreicht sein.
Die Erfolge im Kampf gegen die Armut sind allerdings in einzelnen Weltregionen sehr unterschiedlich. In Ostasien hat sich der Anteil der absolut Armen von 60% im Jahre 1990 auf 16% im Jahre 2005 vermindert. Dies ist vor allem dem Wirtschaftsboom in China zu verdanken, wo der Anteil der absolut Armen bis 2015 auf weniger als 5% der Bevölkerung sinken wird. Demgegenüber sank der Anteil der Armen in Afrika südlich der Sahara von 1990 bis 2005 nur von 58% auf 51%. Afrika wird das Millenniumsziel voraussichtlich nicht bis 2015 erreichen. Immerhin besagen neue Prognosen, dass der Anteil der Armen in Afrika bis dahin auf unter 36% sinken könnte.
Beim Kampf gegen den Hunger in der Welt mussten in den letzten Jahren immer wieder Rückschläge hingenommen werden. Weltweit steigende Nahrungsmittelpreise haben vor allem die Armen in städtischen Slumgebieten hart getroffen, zumal gleichzeitig ihre Einkommen als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise sanken.
Aber auch viele Arme in ländlichen Gebieten sind auf den Kauf von Nahrungsmitteln angewiesen. Trotz einiger regionaler Erfolge hat sich die Zahl der Unterernährten auf der Welt deshalb seit 1990 erhöht. Waren in den Jahren 1990 bis 1992 etwa 817 Millionen Menschen von Hunger betroffen, stieg diese Zahl bis 2009 auf etwas mehr als eine Milliarde Menschen. Seither hat sie sich wieder etwas vermindert.
Das Millenniums-Entwicklungsziel wird in einigen Regionen – besonders in Asien – erreicht werden. Vor allem die bessere Ernährungssituation in China hat die regionale Statistik für Ostasien verbessert. Aber in Afrika, wo Erfolge im Kampf gegen den Hunger besonders wichtig wären, wird das Ziel voraussichtlich nicht erreicht werden. Dort leidet ein Viertel der Bevölkerung unter Hunger und Unterernährung. Beunruhigend ist auch, dass in den Regionen, in denen der Hunger weiterhin stark verbreitet ist, die Kinder im Alter unter fünf Jahren besonders stark betroffen sind, sodass viele dieser Kinder sterben oder dauerhaft unter Gesundheitsschädigungen leiden werden. Erfreulicherweise schrumpfte der Anteil der untergewichtigen Kinder in Entwicklungsländern von 1990 bis 2009 von 30% auf 23%.
Trotz der Rückschläge darf aber nicht übersehen werden, dass es zahlreiche erfolgreiche Beispiele dafür gibt, wie zum Beispiel mit nachhaltigen Formen der Landwirtschaft der Hunger besiegt werden kann. Da die meisten Hungernden in ländlichen Gebieten leben, sind sowohl eine Landreform und Ertragssteigerungen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft als auch zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten unverzichtbar.
Die Vereinten Nationen und zahlreiche andere Akteure der internationalen Entwicklungspolitik bemühen sich, erfolgreiche Beispiele bekannter zu machen und die Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger zu verstärken.
Ohne eine Schulbildung sind Kindern alle Möglichkeiten verschlossen, einen qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Fehlende Bildung verurteilt also in aller Regel zu einem Leben in Armut. Deshalb bemühen sich viele Regierungen von Entwicklungsländern sowie Entwicklungsorganisationen, zumindest einen allgemeinen Zugang zu einer Grundschulbildung zu gewährleisten.
In Afrika südlich der Sahara hat sich zwischen 1990 und 2008/9 die Einschulungsrate in die Grundschulen von 58% auf 76% erhöht. Das ist einer der größten Erfolge in Afrika auf dem Weg zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele. Auch in anderen Regionen im Süden der Welt wurden auf diesem Gebiet bedeutende Erfolge erzielt. Es ist deshalb zu erwarten, dass man einer Einschulungsrate von 100% bis 2015 nahe kommen wird.
Nicht mehr zu erreichen ist das Ziel, dass bis 2015 alle Kinder im Grundschulalter eine Primarschule besuchen und abschließen. Ein Grund ist, dass hierfür schon deutlich vor 2015 einen Schulbesuch von 100% hätte erreicht werden müssen. Nun wird es auch 2015 viele Millionen Kinder im Grundschulalter geben, die in den zurückliegenden Jahren im Alter von sechs oder sieben Jahren nicht eingeschult wurden und so ohne Schulbildung bleiben.
Als Problem erweist sich aber vor allem, dass viele Kinder die Grundschulbildung vorzeitig abbrechen. Ein Grund dafür ist, dass die Eltern vor allem Mädchen aus der Schule nehmen, damit sie auf jüngere Geschwister aufpassen oder im Haushalt und in der Landwirtschaft mitarbeiten. Je ärmer die Familien sind, desto höher ist das Risiko, dass die Kinder vorzeitig die Grundschule verlassen. Weitere Gründe für den Schulabbruch sind die großen Klassen (oft mehr als 60 oder 70 Kinder) und eine schlechte Qualität des Unterrichts.
Ein rascher quantitativer und qualitativer Ausbau der Bildungsangebote ist deshalb für die nächsten Jahre ein entscheidender Schritt, um die Bildungschancen von Kindern in Entwicklungsländern zu verbessern.
In vielen Gesellschaften tendieren Eltern dazu, zunächst einmal die Jungen auf eine Schule zu schicken und erst wenn sich zusätzliche Möglichkeiten eröffnen auch die Mädchen. Die Benachteiligung der Mädchen ist dort besonders groß, wo Schulgebühren bezahlt werden müssen. In armen Familien haben Mädchen dann kaum eine Chance auf eine Schulbildung.
Je höher die Einschulungsrate ist, desto mehr profitieren davon Mädchen. Dass inzwischen 89% aller Kinder in Entwicklungsländern eine Grundschulbildung beginnen, hat zur Konsequenz, dass der Anteil der Mädchen stark gestiegen ist. 2008/9 kamen auf 100 männliche immerhin 91 weibliche Grundschüler. In Afrika sind es allerdings nur 85 Mädchen und in Südasien 83 Mädchen.
In den Sekundarschulen in wirtschaftlich armen Ländern kommen auf 100 Schüler nur 88 Schülerinnen. Neben der Einstellung vieler Eltern, Mädchen würden ohnehin später heiraten und Hausfrauen werden, spielt auch eine Rolle, dass in einer ganzen Reihe wirtschaftlich armer Länder weiterhin Schulgebühren für den Sekundarschulbesuch zu zahlen sind, während die Grundschulen schulgebührenfrei sind.
Im tertiären Bildungsbereich (Hochschulen und Universitäten) beträgt die Relation zwischen Studenten und Studentinnen 100 zu 82. Hinter dieser globalen Zahl verstecken sich große regionale Unterschiede. In Südasien beträgt die Relation 100:65, in Ostasien 100:67. Mädchen haben hier also deutlich schlechtere Aussichten auf eine tertiäre Ausbildung. Demgegenüber gibt es in Lateinamerika und der Karibik mehr Studentinnen als Studenten.
Die Vereinten Nationen haben festgestellt, dass die Bildungsmöglichkeiten von Mädchen am ungünstigsten sind, wenn sie in armen Familien aufwachsen. Das gilt besonders für den Besuch einer Sekundarschule und für alle Bildungsstufen stärker für die ländlichen Gebiete. Ein Ausbau der Bildungsangebote muss deshalb einhergehen mit Programmen zur Überwindung der Armut. Nur dann wird es möglich sein, Mädchen gleiche Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP ist zum Ergebnis gekommen, dass Investitionen in die Bildung und Stärkung von Frauen ein bedeutender Faktor sind, um auch alle anderen Millenniums-Entwicklungsziele zu erreichen. So erhöht sich mit der Bildung der Mütter die Ernährungs- und Gesundheitssituation der Familien.
Seit 1990 konnte die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern deutlich gesenkt werden. Starben damals von 1.000 Lebendgeburten in den ersten fünf Lebensjahren 99, so waren es 2009 noch 66. Erfreulich ist, dass die Erfolge in der Zeit ab 2000 deutlich größer waren als im Jahrzehnt davor. Es besteht also die Hoffnung auf weitere rasche Verbesserungen. Auch in einer ganze Reihe von Ländern, die mit schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen konfrontiert sind, wie Bangladesch, Laos und Madagaskar, ist die Sterblichkeitsrate von Kleinkindern um 60% und mehr gesunken.
Die Kindersterblichkeit lässt sich durch relativ preiswerte Maßnahmen deutlich senken. Dazu gehören zum Beispiel Impfungen, Medikamente gegen Atemwegserkrankungen und imprägnierte Moskitonetze. Aber es sind auch Maßnahmen nötig, die einen höheren Aufwand und umfassende Entwicklungsanstrengungen erfordern. Dazu gehören zum Beispiel die Überwindung von Mangelernährung, die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und die Sicherstellung einer gesundheitlich unbedenklichen sanitären Versorgung.
Es ist zu befürchten, dass das Millenniumsziel trotz bisheriger Erfolge bis 2015 nicht oder doch nur in einigen Regionen erreicht wird. Vor allem Afrika südlich der Sahara ist noch weit von dem Ziel entfernt, aber auch in Südasien und Ostasien sind große Anstrengungen notwendig, um dem Ziel wenigstens nahe zu kommen. Um so wichtiger wird es sein, dass die Industrieländer ausreichend Entwicklungsgelder zur Verfügung stellen, um Gesundheitsmaßnahmen wie Impfprogramme flächendeckend umzusetzen.
In den letzten Jahren starb jede Minute eine Frau auf der Welt während der Geburt eines Kindes. Im Jahr 1990 starb in Entwicklungsländern 440 von 100.000 Frauen bei der Geburt eines Kindes, 2008 waren es noch 290. Dies entspricht einer Verminderung um 34%. in 90 Ländern, vor allem in Asien und Nordafrika, ging die Müttersterblichkeit um mindestens 40% zurück. In Afrika südlich der Sahara stirbt eine von 15 Frauen während einer Geburt, in Europa nur eine von 4.000. Die meisten Todesfälle von Frauen während der Schwangerschaft und Geburt in Afrika und anderen armen Regionen der Welt sind vermeidbar.
Eine Ursache der hohen Müttersterblichkeit ist die Tatsache, dass bei mehr als einem Drittel der Geburten in Entwicklungsländern eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal fehlt. In entwickelten Ländern ist hingegen bei 99 von 100 Geburten medizinisches Fachpersonal präsent. Fehlt es, kann jede Komplikation bei der Geburt tödliche Folgen haben. Besonders groß ist die Gefahr, dass die Mutter an Blutungen stirbt. Deshalb ist es beunruhigend, dass nur bei 50% bzw. 46% der Geburten in Südasien und in Afrika südlich der Sahara medizinisches Fachpersonal mitwirkt. Ostasien hingegen erreicht einen Anteil von 99%, also praktisch den Wert entwickelter Länder.
Deutlich höher ist in Entwicklungsländern der Anteil der Frauen, die während der Schwangerschaft mindestens einmal von medizinischem Fachpersonal betreut werden. In Afrika südlich der Sahara beträgt dieser Anteil 78% und in Südasien 70%. In Nordafrika konnte der Anteil von 1990 bis 2008 von 51% auf 79% gesteigert werden. In allen Regionen und Ländern gilt, dass die Begleitung durch medizinisches Fachpersonal vor und während der Geburt in den Städten besser ist als auf dem Lande und dass Frauen aus armen Familien deutlich schlechter versorgt sind als Frauen aus wohlhabenderen Familien.
Eine weitere Ursache der hohen Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern ist die unzureichende Ernährung der werdenden Mütter. Nach Einschätzung der Weltbank ist dies die Ursache von mehr als einem Fünftel aller Todesfälle von Müttern kurz vor und während der Geburt. Besonders in Afrika entstehen hohe Risiken auch dadurch, dass viele Mütter HIV positiv oder nach dem Ausbruch der Erkrankung schon stark geschwächt sind.
Insgesamt betrachtet ist die Welt noch weit davon entfernt, dieses Millenniums-Entwicklungsziel zu erreichen und auch die große Mehrzahl der Entwicklungsländer wird es verfehlen.
Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an HIV/Aids. HIV ist damit die Infektionskrankheit, die weltweit am meisten Todesopfer fordert. Ein Grund zur Hoffnung ist, dass sich die Zahl der Neuinfektionen von 2001 bis 2009 weltweit um nahezu 25% vermindert hat. Allerdings steigt die Zahl der Neuinfektionen in einigen Weltregionen, vor allem in Osteuropa und Zentralasien, immer noch an. Afrika südlich der Sahara ist weiterhin die Region mit dem höchsten Anteil an den Neuinfektionen.
Dass es zu einer so hohen Zahl von Neuinfektionen kommt, liegt u.a. daran, dass trotz aller Aufklärungskampagnen das Wissen junger Leute über die Ausbreitungswege von HIV/Aids weiterhin unzureichend ist. Nur 33% der jungen Männer und 20% der jungen Frauen in den Entwicklungsregionen sind umfassend und richtig über HIV informiert. Viele junge Frauen verfügen zudem über keine oder unzureichende Informationen über die Bedeutung von Kondomen. Auch wenn Kondome für sich genommen die Ausbreitung von HIV/Aids nicht stoppen können, tragen sie doch erheblich zur Verminderung des Infektionsrisikos bei.
Es gibt bisher keine Medikamente, die eine Heilung von HIV/Aids ermöglichen, aber eine antiretrovirale Therapie mit einer Kombination verschiedener Medikamente trägt nachweislich zu einem späteren Ausbruch von Erkrankungen und zu einer deutlich längeren Lebenserwartung bei. Auch vermindert sich das Risiko einer Übertragung der HIV-Infektion von der Mutter auf das neugeborene Kind stark, wenn die Mutter eine antiretrovirale Behandlung erhält. In Botswana konnte die Übertragungsrate auf 4% gesenkt werden, nachdem 94% aller HIV positiven Mütter eine solche Therapie erhielten.
Deshalb besteht ein Schwerpunkt des internationalen Aids-Engagements darin, diese Therapie möglichst allen behandlungsbedürftigen Menschen zugänglich zu machen. In den letzten Jahren sind auf diesem Gebiet bedeutende Erfolge erzielt worden. Erhielten 2004 nur 2% aller Menschen mit HIV in Südasien eine antiretrovirale Therapie, so waren es 2009 bereits 24%. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil in Afrika südlich der Sahara von 3% auf 37%. In allen Entwicklungsländern sind es mittlerweile 36%. Allerdings erfolgen immer noch deutlich mehr Neuinfektionen als Menschen mit HIV eine Behandlung aufnehmen. Die Verhinderung von Neuinfektionen bleibt also weiterhin eine unverzichtbare Aufgabe.
Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in malariagefährdeten Gebieten. Jedes Jahr erkranken nach UN-Angaben 244 Millionen Menschen an Malaria, und in 781.000 Fällen verläuft diese Krankheit tödlich. 90% aller Todesopfer sind in Afrika zu beklagen. Als ein besonders wirksames Mittel im Kampf gegen die Krankheit haben sich imprägnierte Moskitonetze erwiesen. Deshalb ist es erfreulich, dass in Afrika südlich der Sahara in den Jahren 2008 bis 2010 insgesamt 290 Millionen Netze verteilt wurden. Sie reichen aus, um 76% der gefährdeten Menschen zu versorgen. Diese präventive Maßnahme ist um so wichtiger, als nach dem Ausbruch der Krankheit besonders in armen Haushalten in ländlichen Gebieten der Zugang zu ärztlicher Behandlung und Medikamenten fehlt und die Krankheit vor allem bei kleinen Kindern rasch einen tödlichen Verlauf nimmt.
In einer Reihe von Ländern zeigt sich, dass bei einer ausreichenden Finanzierung und der Umsetzung einer zielgerichteten Politik binnen weniger Jahr ein Rückgang der Malariafälle um mehr als 50% erreichbar ist.
2009 starben 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Damit ist die Zahl der Todesfälle seit 1990 um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Aber Tuberkulose ist nach HIV die Infektionskrankheit mit der höchsten Zahl an Todesfällen. in vielen Fällen sterben Menschen in Tuberkulose, die durch HIV geschwächt sind. Daraus erklärt sich, dass sich die Zahl der Tuberkulose-Sterbefälle in Afrika südlich der Sahara seit 1990 um mehr als ein Drittel erhöht hat. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Ausbreitung von Tuberkulose ohne größere Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids gestoppt werden kann.
Inzwischen bekennen sich viele Entwicklungsländer zumindest in öffentlichen Erklärungen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die Umsetzung dieser Zielsetzung wird aber durch eine ganze Reihe von Faktoren behindert. Dazu gehören fehlende Finanzmittel, eine zu geringe Zahl von qualifizierten Fachleuten im Staatsdienst und ein zu niedriger Stellenwert der nachhaltigen Entwicklung im Vergleich zu anderen Entwicklungszielen.
Schwierigkeiten entstehen auch dann, wenn politisch einflussreiche Kräfte sich gegen nachhaltige Formen der Waldbewirtschaftung oder des Bergbaus wehren, weil die erforderlichen Maßnahmen ihre kurzfristigen Gewinne schmälern – aber dies ist nicht nur in Entwicklungsländern ein Problem.
Ein wichtiges Ziel im Kampf gegen den Verlust von Umweltressourcen ist die Erhaltung der tropischen Wälder, die durch Holzeinschlag und die Umwandlung der Waldflächen in Agrarland stark bedroht sind. Die weitere Zerstörung von tropischen Wäldern hätte katastrophale Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt der Erde und ebenso auf das globale Klima.
Deshalb ist es erfreulich, dass sich wenigstens das Tempo der Waldzerstörung vermindert. In den 1990er Jahren gingen jedes Jahr 16 Millionen Hektar Regenwald verloren, in diesem Jahrzehnt waren es jedes Jahr 13 Millionen Hektar. Aber auch bei diesem Tempo werden in wenigen Jahrzehnten die letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete zerstört sein. Dass gleichzeitig aufgeforstet wird, kann nicht beruhigen, weil das sehr komplexe Ökosystem eines tropischen Regenwaldes kaum wiederhergestellt werden kann und weil ohnehin vor allem Monokulturen schnell wachsender Bäume angepflanzt werden. Deshalb ist bei den Erfolgen in Asien bei den Wiederaufforstungen jeweils zu prüfen, welcher Typus neuer Wälder entsteht.
Erfreulicherweise gibt es inzwischen zahlreiche Natur- und Umweltschutzinitiativen und -organisationen in Entwicklungsländern, die sich für die Erhaltung der Biodiversität und vor allem von Wald- und Feuchtgebieten einsetzen. Wichtig sind auch Initiativen zu Erhaltung bedrohter Arten in den Meeren, die vor allem durch Überfischung und eine hohe Schadstoffbelastung der Meere und Ozeane gefährdet sind.
Dieses Ziel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2015 im weltweiten Maßstab erreicht werden. War 1990 erst 77% der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgt, so stieg dieser Anteil bis 2008 auf 87%. Für 2015 wird mit einem Anteil von 89% gerechnet. Dies ist dem großen Engagement vieler Regierungen, Entwicklungsorganisationen und lokalen Initiativen für eine Verbesserung der Wasserversorgung zu verdanken. In vielen Fällen ist es gelungen, kostengünstige Konzepte der Wasserversorgung zu verwirklichen, zum Beispiel einfache, aber wirksame Filtersysteme sowie Gemeinschaftswasserhähne.
Trotzdem wird dieses Millenniums-Entwicklungsziel bis 2015 in Afrika südlich der Sahara ohne sehr große zusätzliche Anstrengungen nicht erreicht werden. Dabei wären gerade hier Erfolge besonders wichtig, weil in Afrika 60% der Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Hauptgründe für die Misere sind fehlende Investitionen in bestehende Versorgungssysteme, die Vernachlässigung ländlicher Regionen und städtischer Armenviertel sowie – in wachsendem Umfang – der globale Klimawandel.
Der Klimawandel führt in manchen Weltregionen wie dem südlichen Afrika zu geringeren Niederschlägen und vielerorts zu unberechenbaren, heftigen Niederschlägen, die bestehende Trinkwasserquellen verunreinigen können und wenig zur Grundwasserbildung beitragen.
Um den Wasserstress in vielen Ländern zu vermindern, sind effizientere Formen der Bewässerung erforderlich, denn bisher entfallen 70% des menschlichen Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft. Mit einer effizienten Bewässerung ist es möglich, den Wasserbedarf gegenüber einer verschwenderischen Bewässerung um die Hälfte zu vermindern. Ebenso gilt es, die Schädigung der Wasserqualität durch Pestizide, Nitrate sowie Schadstoffe der Industrie zu vermindern. Nur so lässt sich der Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen erreichen und nachhaltig sichern.
Während das Ziel der Halbierung des Anteils der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zumindest auf globaler Ebene erreicht werden kann, wird das parallele Ziel für die sanitäre Versorgung deutlich verfehlt.
Gegenwärtig haben 2,6 Milliarden keinen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen sanitären Versorgung. Damit hat knapp die Hälfte der Menschen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu einer angemessenen sanitären Versorgung. In Afrika südlich der Sahara beträgt dieser Anteil sogar 69%. Dies hat gravierende gesundheitliche Auswirkungen bis hin zu zahlreichen Todesfällen als Folge von Durchfallerkrankungen. Es geht aber auch um die menschliche Würde und dies vor allem von Mädchen und Frauen, wenn sie ihre Notdurft an Stellen verrichten müssen, die von anderen Menschen einsehbar sind.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF hat nachgewiesen, dass viele Mädchen ihre Schulbildung abbrechen, wenn in den Schulen unerträgliche sanitäre Verhältnisse herrschen.
Dieses Millenniums-Entwicklungsziel ist – so ist inzwischen international weitgehend anerkannt – bei Weitem nicht ambitioniert genug. Es gibt schätzungsweise eine Milliarde Menschen, die in Slums oder in slumähnlichen Wohnverhältnissen leben. Das 2000 formulierte Ziel bedeutet, dass lediglich ein Zehntel von ihnen erheblich bessere Lebensverhältnisse erhalten sollen. Dieses wenig ambitionierte Ziel ist bereits jetzt deutlich übertroffen worden, weil sich seit 1990 die Wohn-, Wasser- und Sanitärverhältnisse von mehr als 200 Millionen Menschen verbessert haben.
Der Anteil der städtischen Bevölkerung in Entwicklungsländern, die in Slums leben, hat sich von 2000 bis 2010 von 39% auf 33% vermindert. Als Folge des Bevölkerungswachstums und der zunehmenden Urbanisierung hat sich aber die absolute Zahl der Slumbewohner um etwa 60 Millionen erhöht. Besonders kritisch ist die Situation in Ländern, in denen gewaltsame Konflikte ausgetragen werden. Hier flüchten Hunderttausende aus umkämpften ländlichen Gebieten in die Städte, und gleichzeitig verarmen größere städtische Bevölkerungsgruppen. Der Anteil der Stadtbewohner, die in Slums leben, hat sich in diesen Konfliktländern von 1990 bis 2010 von 64 auf 77% erhöht.
Um alle Millenniums-Entwicklungsziele in städtischen Armenvierteln zu verwirklichen, ist vielerorts ein grundlegender Neuansatz der Entwicklungsanstrengungen erforderlich. Es muss Abschied genommen werden von der Auffassung vieler staatlicher Stellen, die Armenviertel nicht zu attraktiv zu gestalten, damit nicht noch mehr Landbewohner in die Städte ziehen. Es gilt einerseits die Ursachen dieser Abwanderung in den ländlichen Gebieten selbst zu beseitigen und andererseits in den Städten unter aktiver Mitwirkung der Bevölkerung effektive und kostengünstige Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung zu verwirklichen. Dazu gehört zum Beispiel ein preisgünstiger Wohnungsbau mit lokalen Materialen und viel Eigenarbeit der Bewohner selbst, denen dafür ein verlässlicher Besitztitel an Land und Haus gegeben wird.
Die Verhandlungen über ein neues internationales Handelsabkommen (Doha-Verhandlungen) stagnieren seit Jahren. Der wichtigste Grund dafür ist, dass die Interessen der einzelnen Staaten und Staatengruppen sehr unterschiedlich sind, ebenso die Interessen von Wirtschaftszweigen innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften.
So versuchen zum Beispiel die Interessenvertreter der Landwirtschaft in der EU zu verhindern, dass der europäische Markt durch Zollsenkungen stärker für Importe aus anderen Ländern geöffnet wird. Gleichzeitig hat die Industrie der EU ein Interesse daran, ungehindert die Märkte anderer Weltregionen erobern zu können. Auch zwischen Entwicklungsländern gibt es Interessenunterschiede, zum Beispiel zwischen den Ländern mit großer exportstarker Agrarwirtschaft und Ländern mit kleinbäuerlichen Betrieben, die bei völlig liberalisierten Märkten keine wirtschaftliche Zukunft hätten. Daher ist nicht zu erwarten, dass in nächster Zeit zu einem neuen internationalen Handelsabkommen abgeschlossen werden kann.
Der wirtschaftliche Globalisierungsprozess, der sich im letzten Jahrzehnt deutlich beschleunigt hat, verstärkt den internationalen Konkurrenzkampf. Damit wächst die Notwendigkeit, auch um der internationalen Konkurrenzfähigkeit willen eine gute Regierungsführung zu verwirklichen. Eine Regierung, die keine wirkungsvolle Investitions- und Infrastrukturpolitik betreibt, riskiert, dass das Land unattraktiv für Handelspartner und Investoren wird bzw. bleibt. Es ist zu beobachten, dass verantwortungslose Regierungen wie zum Beispiel das Militärregime in Burma ihre Länder an den Rand der globalen Wirtschaftsströme und in immer tiefere wirtschaftliche Not führen.
Zunehmend wird auch deutlich, dass eine Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung, die zu wachsender sozialer Ungleichheit führen, massive gesellschaftliche Konflikte auslösen und verschärfen. Armutsminderung und soziale Gerechtigkeit sind unerlässlich für stabile gesellschaftliche Verhältnisse – eine Grundvoraussetzung dafür, dass ein Land wirtschaftlich vorankommt und die verschiedenen Millenniums-Entwicklungsziele umsetzen kann. Hierfür brauchen die sich entwickelnden Länder eine umfassende Unterstützung durch die entwickelten Länder.
In den letzten zehn Jahren haben die Entwicklungsländer und vor allem die am wenigsten entwickelten Ländern einen besseren Zugang zu den Märkten der entwickelten Länder erhalten. Der Anteil der zollfreien Einfuhren (ohne Berücksichtigung von Rüstungsgütern und Erdöl) der entwickelten Länder aus Entwicklungsländern erhöhte sich von 54% im Jahre 1998 auf knapp 80% im Jahre 2008.
Bei den am wenigsten entwickelten Ländern hat der Anteil 81% erreicht. Vor allem bei Agrarerzeugnissen profitieren die am wenigsten entwickelten Länder davon, dass für sie die Zölle der Industriestaaten deutlich niedriger sind als für andere Entwicklungsländer. Die Zollsenkungen bzw. die Beseitigung von Zollschranken erfolgten vor allem in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts, seither ist eine gewisse Stagnation eingetreten. Die Exporte ärmsten der Entwicklungsländer in entwickelte Länder wurden durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre und die damit einhergehenden Preissenkungen für verschiedene Rohstoffe auf den internationalen Märkten beeinträchtigt. Die Länder des Südens fordern weiterhin eine stärkere Öffnung der Märkte der Industriestaaten auch für Fertigwaren und für Agrarprodukte, die bisher mit hohen Zöllen belegt sind.
2009 belief sich die öffentliche Entwicklungshilfe nach UN-Berechnungen auf insgesamt 128,7 Milliarden Dollar, das entsprach 0,32% des Bruttonationaleinkommens aller entwickelten Länder. Damit sind die entwickelten Länder noch weit von dem international angestrebten Ziel entfernt, 0,7% Bruttonationaleinkommens für Entwicklungsaufgaben zur Verfügung zu stellen. Nur vier Länder erreichen oder überschreiten diesen Zielwert (Dänemark, Luxemburg, Niederlande und Schweden). Nach UN-Berechnungen kommt Deutschland auf lediglich 0,38%. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass in vielen entwickelten Ländern die Etats für Entwicklungsaufgaben entweder stagnieren oder sogar zurückgegangen sind.
Besonders in Afrika, wo sich ein Großteil der am wenigsten entwickelten Länder befinden, ist die Enttäuschung groß, dass die entwickelten Länder ihre Zusagen nicht einhalten. Beim G8-Gipfeltreffen in Gleneagles hatten die führenden Industriestaaten 2005 zugesagt, die öffentliche Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 zu verdoppeln. Tatsächlich hat die bilaterale Hilfe für Afrika bis einschließlich 2009 aber nur um 11 Milliarden Dollar und nicht um die zugesagten 25 Milliarden Dollar zugenommen.
Die Forderungen der Entwicklungsländer und zahlreicher Initiativen in aller Welt haben dazu geführt, dass in den zurückliegenden Jahren ernsthafte Versuche unternommen wurden, die Überschuldung wirtschaftlich armer Länder abzubauen, vor allem dadurch, dass Schulden erlassen wurden.
Im Rahmen der Initiative für hoch verschuldete arme Länder wurden bis 2009 insgesamt 86 Milliarden Dollar Schulden erlassen. Dies hat sich merklich auf die Schuldenlast vieler Länder ausgewirkt.
Ein Indikator dafür ist das Verhältnis von Auslandschuldendiensten im Verhältnis zu den Exporteinnahmen. Mussten die Entwicklungsländer im Jahre 2000 noch 12,5% ihrer Exporteinnahmen für den Schuldendienst aufwenden, so waren es 2008 nur noch 3,4%.
Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise erhöht das Risiko, dass die Schuldenlast der armen Länder erneut stark steigt. Dem kann nur dadurch begegnet werden, dass die Länder dabei unterstützt werden, ihre Wirtschafts- und Exportkraft zu erhöhen und dass sie bessere Möglichkeiten erhalten, ihre Güter ohne hohe Zollbarrieren und andere Behinderungen in Industriestaaten exportieren können.
Brot für die Welt
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Deutsche Welthungerhilfe
FIAN
Food and Agriculture Organization of the United Nations
Misereor
International Fund for Agricultural Development
United Nations Development Programme
World Food Programme
terre des homes
United Nations Children’s Fund
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
UN Women
United Nations Development Fund for Women
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
United Nations International Research and Training Institute for the Advancement of Women
United Nations Population Fund
terre des homes
World Health Organisation
United Nations Development Fund for Women
World Health Organisation
UNAIDS
World Health Organisation
United Nations Environmental Programme
World Meteorological Organization
World Tourism Organization
International Labour Organization
International Monetary Fund
International Telecommunication Organization
United Nations Conference on Trade and Development
United Nations Development Programme
United Nations Industrial Development Organization
World Bank
World Trade Organization