Millenniums-Entwicklungsziele

Weniger Arme, mehr Bildungschancen – aber noch viele ungelöste Aufgaben

Menschen laufen mit Trinkwasserbehältern eine lange Sandpiste entlang

Diese Menschen in Bangladesch müssen ihr Trinkwasser aus größeren Entfernungen holen. Und häufig ist solches Wasser aus Flüssen und Seen mit Keimen belastet. Foto: UNDP

„Die Millenniums-Entwicklungsziele sind der bedeutendste globale Anti-Armuts-Schub der Geschichte. Sie haben bewiesen, dass fokussierte globale Entwicklungsziele einen grundlegenden Unterschied machen.“ Dies betonte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei der Präsentation des „Millennium Development Goal Report 2013“ (Millenniums-Entwicklungsziele – Bericht 2013) am 1. Juli 2013 in Genf.

Der Bericht gibt einen Überblick, in welchem Umfang es bisher gelungen ist, die globalen Entwicklungsziele zu verwirklichen. Im Jahre 2000 hatten sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt bei einem Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York dazu verpflichtet, daran mitzuwirken, dass die Ziele bis zum Jahre 2015 verwirklicht werden.

Erfolge im Kampf gegen Armut und Hunger

Ein wichtiges Ziel wurde bereits erreicht. Der Anteil der Menschen in Entwicklungsländern, die in absoluter Armut lebt (mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag), hat sich von 1990 bis 2010 von 47 Prozent auf 22 Prozent vermindert, also mehr als halbiert.

Noch nicht ganz erreicht ist das Ziel der Halbierung des Anteils der Hungernden an der Bevölkerung der Entwicklungsländer. Der Prozentsatz ist seit Anfang der 1990er Jahre von 23,2 auf 14,9 Prozent gesunken. Nach UN-Einschätzung wird es bei zusätzlichen Anstrengungen möglich sein, das Ziel bis 2015 zu verwirklichen. Allerdings ist trotz der Erfolge heute weiterhin jeder achte Mensch auf der Welt chronisch unterernährt.

Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung kommt voran

Bedeutende Erfolge gab es bei der Verwirklichung der Gesundheits-Ziele. So hat sich der Anteil der Menschen, die an Malaria sterben, von 2000 bis 2010 um mehr als 25 Prozent vermindert. Auf diese Weise konnten mehr als eine Million Menschenleben gerettet werden. Die Zahl der Menschen, die durch Tuberkulose sterben, wird sich bis 2015 voraussichtlich halbiert haben.

Enttäuschend ist die weiterhin hohe Zahl von Müttern, die bei der Geburt eines Kindes sterben. Zwar sank dieser Anteil in den letzten zwei Jahrzehnten um 47 Prozent, aber damit wird das Ziel einer Verminderung um drei Viertel bis 2015 deutlich verfehlt werden. 2010 starben in Entwicklungsländern noch immer durchschnittlich 210 Frauen je 100.000 Geburten. Ein Hauptgrund ist, dass 53 Prozent aller Geburten in ländlichen Gebieten ohne die Begleitung durch ausgebildete medizinische Fachkräfte erfolgen. Um dem Millenniumsziel zu verwirklichen, sind umfassende Programme zum Ausbau des Gesundheitswesens und zur Stärkung der Position der Frauen in ihren Familien und in der Gesellschaft erforderlich.

Ende 2011 lebten 34 Millionen Menschen mit HIV/Aids, wobei die Zahl der Neuinfektionen in den meisten Weltregionen zurückgeht. Der Anteil der Betroffenen, die eine lebensverlängernde antiretrovirale Therapie erhalten, hat sich stark erhöht. Es ist möglich, bis 2015 dem Ziel der Behandlung all derer deutlich näher zu kommen, die diese benötigen. Vom Ziel, die Ausbreitung von HIV zu stoppen, ist man allerdings noch weit entfernt. Hierfür ist u.a. eine stärkere Verbreitung des Wissens über den Virus und seine Übertragungswege erforderlich.

Bildung und Gesundheit für alle Kinder – noch nicht erreicht

Zwar hat sich die Zahl der Kinder in Entwicklungsländern, die keine Schule besuchen, von 2000 bis 2011 von 102 auf 57 Millionen vermindert, aber in den letzten Jahren hat sich der Fortschritt verlangsamt. Deshalb erwarten die Vereinten Nationen nicht, dass bis 2015 das Ziel erreicht wird, allen Kindern auf der Welt eine Schulbildung zu ermöglichen.

Die Sterberate von Kindern unter fünf Jahren ist in den Entwicklungsländern von 1990 bis 2011 um 41 Prozent gesunken. Dass das Ziel der Verminderung um zwei Drittel bis 2015 global nicht erreicht wird, liegt vor allem an der weiterhin hohen Kindersterblichkeit in den ersten Lebenstagen und in den ärmsten Regionen der Welt.

Wasserversorgung deutlich verbessert, sanitäre Versorgung nicht

Das Ziel, den Anteil der Bevölkerung in Entwicklungsländern, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zu halbieren, wurde bereits erreicht. 89 Prozent der Menschen hatten 2010 einen regelmäßigen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen Wasserquelle in ihrer Nähe. 1990 hatte dieser Anteil erst 76 Prozent betragen.

Demgegenüber wird das Ziel verfehlt werden, den Anteil der Bevölkerung ohne eine gesundheitlich unbedenkliche, angemessene sanitäre Versorgung zu halbieren. Zwar erhielten von 1990 bis 2011 zusätzlich etwa 1,9 Milliarden Menschen den Zugang zu Toiletten, aber das Millenniumsziel ist noch in weiter Ferne. Dafür müssten 75 Prozent der Einwohner der Entwicklungsländer einen Zugang zu einer Sanitärversorgung haben, bisher sind es nur 64 Prozent.

Durchschnittswerte verdecken gravierende Unterschiede

Eine Frau hält ein großes Bund Rettich in den Armen
Hinter den Statistiken über Fortschritte bei der Verwirklichung von Entwicklungszielen stehen viele kleine Erfolge von Menschen wie dieser Kleinbäuerin in Bangladesch, die ihre wirtschaftliche Situation durch gute Rettichernten verbessern konnte. Foto: UNDP

Nicht übersehen werden darf, dass es sich bei den bisher genannten Daten um Durchschnittswerte handelt. Im Millenniumsbericht der Vereinten Nationen wird betont, dass auf vielen Gebieten gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Weltregionen bestehen. So hat sich in Afrika südlich der Sahara der Anteil der Armen an der Bevölkerung seit 1990 lediglich von 56 auf 48 Prozent vermindert. In Südostasien sank der Anteil hingegen auf weniger als ein Drittel, von 45 auf 14 Prozent. Auffällig ist auch, dass mehr als die Hälfte aller Kinder, die keine Schule besuchen, in Afrika lebt.

Ebenso bestehen gravierende Unterschiede innerhalb der einzelnen Gesellschaften. Dort sind ärmere Bevölkerungsschichten und generell Frauen und Mädchen auf Gebieten wie dem Zugang zu Bildung weiterhin deutlich benachteiligt. Nur in 2 von 130 Entwicklungsländern haben Mädchen und junge Frauen einen gleich hohen Anteil auf allen Bildungsebenen erreicht wie Jungen und junge Männer. Zur sozialen Benachteiligung beim Zugang zur Bildung sagte Ban Ki-moon bei der Präsentation des Berichtes: „Kinder aus armen und ländlichen Haushalten besuchen mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit keine Schule als diejenigen aus reichen und städtischen Haushalten.“

Zurückgehende Entwicklungshilfeleistungen

Beunruhigend ist, dass nach Berechnungen der Vereinten Nationen die Entwicklungshilfeleistungen in den letzten beiden Jahren zurückgegangen sind. Sie sanken 2011 um real 2 Prozent und 2012 sogar um real 4 Prozent. Dieser Rückgang hat die am wenigsten entwickelten Länder sogar deutlich überproportional getroffen, obwohl sie die größten Schwierigkeiten haben, die Millenniums-Entwicklungsziele zu erreichen. Auffällig ist, dass die Beiträge zu multilateralen Organisationen im Jahre 2012 um real 7 Prozent zurückgegangen sind, während die bilateralen Leistungen noch leicht stiegen.

Positiv wirkt sich hingegen aus, dass die Schuldenlast der Entwicklungsländer weiter zurückgegangen ist und sie einen etwas besseren Zugang zu den Märkten der Industrieländer erreicht haben. Auf 83 Prozent der Exporte der am wenigsten entwickelten Länder in Industrieländer wird kein Zoll erhoben.

Die englische Fassung des Berichtes kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Eine deutsche Übersetzung wird in Kürze erscheinen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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