Bevölkerung

9,5 Milliarden Menschen bis 2050

Das Foto zeigt eine stark belebte Fußgängerpassage

In vielen Regionen sind die Geburtenraten weniger stark gefallen, als bisher angenommen. Begleitet wird das Bevölkerungswachstum vom kollektiven Altern. Foto: Florian Demmler

Fast 7,2 Milliarden Menschen leben derzeit auf unserem Planeten. Vor allem in Entwicklungsländern steigen die Bevölkerungszahlen weiter an. Die Vereinten Nationen korrigierten nun ihre Hochrechnungen für die Jahre 2050 und 2100 erheblich nach oben. Unverändert bleibt hingegen das kollektive Altern.

Für 2050 wurden die Zahlen der UN-Bevölkerungsstudien um 250 Millionen auf 9,5 Milliarden Menschen erhöht. Bis 2100 wird sogar mit einer Weltbevölkerung von 10,9 Milliarden gerechnet. Hauptgrund der Änderungen sind globale Fertilitätsraten, die entgegen allen Erwartungen seit 2011 weniger stark gesunken sind als angenommen. Würden die Geburtenraten weiterhin relativ konstant bleiben, könnten bis 2100 sogar fast 16,6 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Fertilitätsraten geben an, wie viele Kinder eine Frau in einer bestimmten Region durchschnittlich im laufe ihres Lebens zur Welt bringt, allerdings unter der Voraussetzung gleichbleibender Bedingungen.

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Fertilität weiter hoch. Grund dafür ist meist der Mangel an freiwilliger Familienplanung. Über 80 Millionen Frauen werden jedes Jahr allein in Entwicklungsländern ungewollt schwanger. Zwar werden mittlerweile weniger Kinder pro Frau geboren als in den 1960er Jahren - damals lag der Durchschnitt noch bei 6 Kindern. Doch auch heute liegen die durchschnittlichen Raten von 2,6 Kindern pro Frau noch vergleichsweise hoch. In den am wenigsten entwickelten Ländern überwiegen sogar immer noch Werte von 4,2 Kindern pro Frau.

Familienplanung und Verhütung bleiben auch weiterhin die kosteneffektivsten Maßnahmen zur Minderung der Armut. „Wenn Frauen und Mädchen frei darüber entscheiden können, wann und wie viele Kinder sie bekommen, sind sie gesünder, haben bessere Bildungschancen, und sie sind wirtschaftlich produktiver“, so Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. Das zukünftige Bevölkerungswachstum wird dennoch fast ausschließlich in Entwicklungsländern stattfinden, auch, da die Bevölkerung in Regionen wie Europa abnehmen wird. Bis 2050 wird die Einwohnerzahl einiger Länder sogar um mehr als 15 Prozent zurückgehen, darunter Kroatien, Kuba, Rumänien und Russland.

Die Weltbevölkerung von 1959 bis 2100. blau: mittlere Vorhersage, rot: hohe Vorhersage, violett: konstant bleibende Geburtenrate, grün: niedrige Vorhersage. Quelle: Department of Economic and Social Affairs
Die Weltbevölkerung von 1959 bis 2100. blau: mittlere Vorhersage, rot: hohe Vorhersage, violett: konstant bleibende Geburtenrate, grün: niedrige Vorhersage. Quelle: Department of Economic and Social Affairs

Weltbevölkerung immer älter

Da die Lebenserwartung vielerorts weiter steigt, wird die Menschheit immer älter. Während wir heute noch durchschnittlich 70 Jahre alt werden, steigt die Lebenserwartung bis 2100 bereits auf 82 Jahre an. In den Industrienationen wird die Bevölkerung dann sogar durchschnittlich 89 Jahre alt. In den am wenigsten entwickelten Ländern wird die Lebenserwatung jedoch auch zukünftig geringer bleiben. Von 58 Jahren (2010) könnte das Lebensalter zwar auf 78 Jahre (2100) steigen, jedoch nur unter der unwahrscheinlichen Bedingung, dass sämtliche heute vorherrschenden Krankheiten auf ein Minimum reduziert werden.

Nicht nur in Industrienationen werden die Einwohner immer älter. Während sich heute noch Japan, Deutschland und Italien die Plätze eins bis drei der durchschnittlich „ältesten“ Nationen teilen, werden diese Plätze 2100 von Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong übernommen. Niger, Mali und Sambia bleiben hingegen auch in Zukunft die „jüngsten“ Länder der Erde. Im westafrikanischen Staat Niger sind nur 4,4 Prozent der Bevölkerung über 59 Jahre. Eine Situation, die auch bis 2050 anhalten wird. Für Deutschland prognostizieren die UN-Zahlen hingegen eine erhebliche Steigerung des Anteils der älteren Einwohner an der Gesamtbevölkerung. 2050 werden demnach 54 Prozent der Bevölkerung über 59 Jahre alt sein.

Bis 2050 müsste die Erzeugung von Mais, Reis, Weizen und Soja um 60 Prozent gesteigert werden, um alle Menschen satt zu machen. UN Photo/Krishna Sigh
Bis 2050 müsste die Erzeugung von Mais, Reis, Weizen und Soja um 60 Prozent gesteigert werden, um alle Menschen satt zu machen. UN Photo/Krishna Sigh

Umstrittene Verwendung von Nahrungsmitteln

Das Wachstum der Weltbevölkerung stellt weltweit Nahrungsmittelproduzenten unter Zugzwang. Die Erträge von Mais, Reis, Weizen und Soja steigen zwar langsam. Um ausreichend Nahrung zur Verfügung zu stellen müsste sich die Produktion der Pflanzen jedoch bis 2050 verdoppeln. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen Fleisch- und Milchprodukte verzehren, bei deren Erzeugung erhebliche Ressourcen aufgebracht werden müssen. Viele Anbauflächen gehen zudem durch die Produktion von Biokraftstoffen verloren. Zwar entspricht die weltweit genutzte Anbaufläche für Nahrungsmittel etwa der Größe Afrikas, jedoch wird nur etwa die Hälfte der dort erzeugten Produkte direkt für die Menschen verwendet. Große Mengen Getreide gehen beispielsweise als Tierfutter, Biosprit und Schmiermittel verloren.

Auch der Klimawandel wird die Nahrungsmittelsituation für die wachsende Weltbevölkerung zukünftig beeinflussen. In Subsahara-Afrika wir nach dem Weltbank-Bericht „Turn down the heat“ schon bis 2030 eine Fläche von ca. 40 Prozent verlorengehen, um beispielsweise Mais und Hirse anzubauen. Vor allem in Afrika werden die Folgen des Klimawandels auf die Landwirtschaft durch den hohen Anstieg der Einwohnerzahlen besonders zu spüren sein.

Weitere Informationen:

Weltbevölkerungsuhr der Stiftung Weltbevölkerung

UN-Report "World Population Prospects - The 2012 Revision"


Florian Demmler

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